Lieber hungrige Kinder, als Hilfe von Eziden anzunehmen

Ein kürzlich in den sozialen Medien verbreitetes Video zeigt eine kurdische Frau mit ihren Kindern in offenkundiger Not. Zwei ezidische Frauen nähern sich ihnen mit Kleidung, Spielzeug und Süßigkeiten. Statt die freundliche Geste anzunehmen, fragt die Frau, ob sie Musliminnen seien, und lehnt die Spenden ab, als sie erfährt, dass es Eziden sind.

Dieser Vorfall ist weder isoliert noch neu für Eziden. Er ist ein Beispiel dafür, wie Kurden historisch mit Eziden umgegangen sind — denselben Menschen, von denen sie sich (teilweise) trennten, als sie zum Islam konvertierten. Dasselbe „ursprüngliche Erbgut“, einst Teil ihrer Gemeinschaft, wird nun als minderwertig und sogar gefährlich betrachtet. Ähnliche Geschichten sind unter Eziden weit verbreitet: Wenn sie muslimische Nachbarn besuchten, berichten sie, dass gemeinsam servierte Speisen — selbst unberührte Portionen — nach ihrem Weggang weggeworfen wurden, ebenso die benutzten Teller. Die Botschaft war eindeutig: In einem muslimischen sozialen Kontext wurde die bloße Präsenz von Eziden als „unrein“ betrachtet.

Ein solches Verhalten entsteht nicht spontan. Es spiegelt eine tief verwurzelte soziale Hierarchie wider, in der Eziden, Anhänger von Sharfadin, einer der ältesten Religionen der Welt, moralisch und gesellschaftlich als minderwertig gelten. Diese Wahrnehmung besteht seit Jahrhunderten fort und prägt weiterhin den Alltag der Eziden.

Die Logik ist bekannt. Es ist dieselbe Weltanschauung, die die Gewalt und Enteignung von 1915 ermöglichte, als Eziden getötet, beraubt, aus ihren Häusern vertrieben und ihre Gräber auf der Suche nach Gold geschändet wurden. Diese Taten waren keine Zufälle, sondern sozial erlaubt, weil Eziden nicht als gleichwertig angesehen wurden.

Nachdem das Video verbreitet wurde, tauchte eine zweite Aufnahme auf, in der die Frau eine sogenannte „Entschuldigung“ äußerte. Viele Zuschauer waren nicht überzeugt. Der Ton wirkte gezwungen, Verantwortung wurde nicht übernommen. Für die Zuschauer wirkte es weniger wie Einsicht, sondern eher wie Schadensbegrenzung nach öffentlicher Kritik.

Das Video zeigt letztlich nicht individuelle Armut, sondern die Beständigkeit sozialer Hierarchien. Selbst wenn Eziden die Hilfe anbieten, stoßen sie auf Diskriminierung und Feindseligkeit. Dennoch setzen die ezidischen Frauen im Video ihr Engagement fort, erklären sich, verteidigen ihre Absichten und versuchen, mit der Frau auf rationale Weise zu sprechen — trotz der empörenden Reaktion der muslimischen Frau.

Eziden erfahren seit Jahrhunderten Diskriminierung, und es scheint, als hätten sie sich daran gewöhnt. So sehr, dass die Frauen im Video ihre Hilfe weiterhin anbieten, trotz der „Demütigung“. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, wie human und freundlich Eziden selbst unter Beleidigungen handeln.

Der jahrhundertelange Hass und die Diskriminierung endeten weder mit früheren Genoziden (1915) noch mit dem Völkermord von 2014. Sie sind weiterhin in sozialen Verhaltensmustern verankert, werden oft geleugnet und selten offen konfrontiert. Das Video verlangt weder Empathie noch Entschuldigungen. Es verlangt die Anerkennung einer unbequemen Realität: Anti-Eziden-Diskriminierung ist so normalisiert, dass selbst eine einfache menschliche Geste abgelehnt werden kann — nur weil sie von Eziden kommt.

An die kurdische Frau im Video:

Welche Menschen erziehen Sie diese Kinder? Solche, die Menschlichkeit anerkennen — oder solche, die aufwachsen, um Hass zu rechtfertigen, Gewalt zu ermöglichen und die Logik des Tötens an die nächste Generation weiterzugeben?

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