Die Eziden gehören zu den alten Völkern des Nahen Ostens und besitzen eine eigenständige Identität, Sprache, Kultur und religiöse Tradition, die als Sharfadin bekannt ist. Dieser kurze Überblick stellt ihre historische Heimat, Sprache, Literatur und ihre fortbestehende Identität als Volk vor.
Die Eziden gehören zu den alten Völkern des Nahen Ostens. Schätzungen zufolge, die noch weiterer Klärung bedürfen, umfasst die ezidische Bevölkerung bis zu eine Million Menschen.
Die meisten Eziden leben in ihrer historischen Heimat Ezidkhan. Im Nordirak gehören dazu die Regionen [Sheikhan, Al-Qosh,] die Gebiete um [Duhok] sowie [Shingal]. Eziden leben außerdem in Syrien, insbesondere im Gouvernement Al-Hasakah, in Qamishli und Afrin. In der Türkei, in den Regionen um [Siirt, Mardin, Nusaybin] und [Viranşehir], leben heute nur noch wenige Eziden.
Eine der größten ezidischen Bevölkerungsgruppen lebte einst in der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere in Armenien und Georgien. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR zogen viele Eziden nach Russland, in die Ukraine und in Länder der Europäischen Union. Größere ezidische Bevölkerungsgruppen leben außerdem in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien.
Die Muttersprache der Eziden ist Ezdiki [Êzdîkî] und gehört zum westlichen Zweig der iranischen Sprachgruppe. In dieser Sprache existiert eine umfangreiche religiöse Dichtung, darunter heilige Texte wie [Qewls] und [Beits], die wichtige Quellen für die Erforschung der ezidischen Religion Sharfadin darstellen. Neben der religiösen Literatur existiert auch weltliche Literatur, von der ein großer Teil während der Sowjetzeit von Eziden aus Georgien und Armenien geschaffen wurde.
Obwohl Eziden und viele Kurden dieselbe Sprache sprechen, entwickelten sich Eziden und Kurden über Jahrhunderte hinweg als unterschiedliche ethnische Gruppen. Die Eziden entwickelten eine eigene soziale und kulturelle Struktur und wurden zu einer vergleichsweise geschlossenen theokratischen Gesellschaft, die historisch durch Verfolgung seitens radikaler Vertreter der in der Region vorherrschenden Religionen geprägt wurde.
Im 20. Jahrhundert begannen einige Vertreter der ezidischen Intelligenz zunehmend, sich als kurdische Eziden zu identifizieren, obwohl sie innerhalb der ezidischen Bevölkerung eine Minderheit darstellten. Diese Entwicklung wurde durch politische Bestrebungen zur ethnischen Vereinheitlichung sowie durch die gemeinsame Sprache beeinflusst, während die Identität der Mehrheit der Eziden häufig außer Acht gelassen wurde. Heute wie auch in der Vergangenheit identifiziert sich ein bedeutender Teil der Eziden als eigenständiges ethnisches Volk, was sich auch in den Ergebnissen der Volkszählungen in Georgien, Armenien, Russland und Belarus widerspiegelt.
Quelle: [Yezidi Serhed]
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