Eine von Hawar Help organisierte Ausstellung vereint rund 50 Fotografien, die ezidische Kultur, Traditionen und das Alltagsleben in Syrien und im Irak dokumentieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, Erinnerungen für künftige Generationen zu bewahren.

Die Ausstellung unter dem Titel „Ezidi Community Archive“ zeigt Fotografien ezidischer Ältester, Häuser, Heiligtümer, traditioneller Kleidung und Handwerkskunst. Anstatt Eziden ausschließlich im Zusammenhang mit Genozid und Verfolgung darzustellen, möchte das Projekt ein umfassenderes visuelles Zeugnis des ezidischen Lebens, der Identität und des kulturellen Erbes bewahren.

Ezidische Teilnehmende wurden zunächst in Fotografie und Methoden der Oral History geschult, bevor sie Menschen und Orte dokumentierten, die mit ihrem eigenen Volk verbunden sind. Eine Teilnehmerin aus Afrin, Amal A., fotografierte einen älteren Eziden, der ursprünglich aus Shingal stammt und seit Jahrzehnten in Vertreibung lebt, sowie ein ezidisches Heiligtum in ihrem Heimatdorf. Sie beschrieb die visuelle Dokumentation als eine Möglichkeit, mündlich überlieferte Erinnerungen in ein Archiv zu verwandeln, das für künftige Generationen erhalten bleiben kann.

Eine weitere Teilnehmerin, Kalbarin S., dokumentierte religiöse und kulturelle Stätten sowie persönliche Geschichten ezidischer Familien. Sie erklärte, dass Projekte dieser Art besonders wichtig für Völker seien, die Massaker, Vertreibung und Versuche erlebt haben, ihre Identität auszulöschen.

Das Bild zeigt einen ezidischen Wunschbaum, an dem bunte Stoffstücke zusammen mit einem Wunsch festgebunden werden. Besucher lösen zunächst einen bereits vorhandenen Knoten, bevor sie ihren eigenen binden. Der Tradition zufolge kann ein Wunsch in Erfüllung gehen, wenn der dazugehörige Knoten von einer anderen Person geöffnet wird.

Die Ausstellung ermöglicht es Eziden, ihre Geschichte, Traditionen und ihr Alltagsleben selbst zu dokumentieren. Für ein Volk, dessen Geschichte der Außenwelt so häufig vor allem durch den Genozid vermittelt wird, ist die Bewahrung der alltäglichen Aspekte des ezidischen Lebens selbst eine wichtige Form des Erinnerns.