Eine in Deutschland ansässige Initiative arbeitet daran, beschädigte landwirtschaftliche Flächen in Sinjar wiederherzustellen, um ezidischen Familien dabei zu helfen, ihr Leben neu aufzubauen und in ihre angestammte Heimat zurückzukehren.

Schwester Makrina Finlay von der Benediktinerinnenabtei in Dinklage und der deutsche Landschafts- und Aufforstungsexperte Volker Kranz stehen hinter den Bemühungen, Gebiete zu regenerieren, die durch jahrelange Zerstörung, Vertreibung und Umweltschäden schwer getroffen wurden.

Ihre Arbeit entwickelte sich aus der Unterstützung der Benediktinerinnen für Eziden, die nach dem von ISIS im Jahr 2014 verübten Genozid nach Deutschland kamen. Seit 2015 hat die Abtei in Dinklage Berichten zufolge mehr als 200 Eziden während ihrer Asylverfahren aufgenommen und unterstützt, unter anderem durch Kirchenasyl.

Durch diese Beziehungen hörte Schwester Makrina immer wieder von dem Wunsch vertriebener Eziden, nach Sinjar zurückzukehren.

Daraus entstand eine andere Frage: Könnte die Wiederherstellung des Landes selbst eine Rückkehr erleichtern?

Wiederherstellung von Land, das durch Krieg und Vertreibung zerstört wurde

Die Umweltschäden in Sinjar reichen weit über zerstörte Gebäude hinaus.

Nach einem Bericht des deutschen Senders Bremen Zwei wurden Brunnen zugeschüttet oder verunreinigt, Dörfer und landwirtschaftliche Flächen zerstört und Land, auf dem sich einst Obstgärten, Getreidefelder und Gärten befanden, stark geschädigt zurückgelassen.

Schwester Makrina und Kranz begannen, Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Gebietes durch nachhaltige Landwirtschaft und Aufforstung zu untersuchen.

Studierende halfen etwa zwei Jahre lang dabei zu untersuchen, welche Methoden unter den schwierigen Umweltbedingungen funktionieren könnten. Ihr Ansatz konzentriert sich insbesondere auf das Pflanzen widerstandsfähiger Bäume und das Sammeln von Regenwasser.

Das Projekt nutzt ein Agroforstmodell, bei dem Bäume Schatten und Schutz für Gemüse und andere Nutzpflanzen bieten, die zwischen ihnen wachsen.

Eine ezidische Familie ist zurückgekehrt, um das Land zu bewirtschaften

Mit Unterstützung der Organisation Regenerate Shingal e.V. wurde in Sinjar bereits ein kleiner Bauernhof wiederaufgebaut.

Eine zuvor vertriebene ezidische Familie ist zurückgekehrt und bewirtschaftet den Hof nun erfolgreich. Das Projekt soll als Beispiel dienen, das künftig auch an anderen Orten umgesetzt werden könnte.

Außerdem wird eine Baumschule aufgebaut, in der heimische, schnell wachsende und für die Region geeignete Arten herangezogen und vermehrt werden sollen.

Das langfristige Ziel ist wesentlich umfassender: Teile des Sinjar-Gebirges und der umliegenden Ebenen wieder zu begrünen, damit das Land erneut Familien ernähren kann, die zurückkehren möchten.

Für Schwester Makrina und die weiteren am Projekt Beteiligten ist die ökologische Erholung daher unmittelbar mit der Zukunft der Eziden in Sinjar verbunden.

Zwölf Jahre nach dem Genozid sind viele Eziden weiterhin vertrieben und können aufgrund von Unsicherheit, zerstörter Infrastruktur und begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht dauerhaft zurückkehren. Projekte, die landwirtschaftliche Flächen wiederherstellen und nachhaltige Lebensgrundlagen schaffen, gehen eine der praktischen Voraussetzungen an, die für eine Rückkehr notwendig sind.

Die Arbeit von Regenerate Shingal bietet eine andere Form des Wiederaufbaus: Es geht nicht nur darum, Häuser wiederaufzubauen, sondern auch darum, das Land wiederherzustellen, von dem das zukünftige ezidische Leben in Sinjar abhängt.