Erstmals 1939 veröffentlicht, ist Schoolgirl eine kurze Novelle des japanischen Autors Osamu Dazai. Die Geschichte begleitet ein namenloses junges Mädchen im Verlauf eines gewöhnlichen Tages – vom Moment ihres Erwachens bis zu dem Augenblick, in dem sie schlafen geht. Statt einer klassischen Handlung führt Dazai die Leser unmittelbar in ihre wechselnden Gedanken über Familie, Trauer, Identität, Gesellschaft und die Erwartungen hinein, die an junge Frauen gestellt werden.
Empfohlen für: Leser, die introspektive, psychologische und zutiefst persönliche Literatur mögen.
Schoolgirl fühlt sich an wie laut ausgeschriebene Gedanken. Das Buch folgt der inneren Stimme eines jungen Mädchens durch ihren Tag, doch seine besondere Kraft liegt darin, wie ehrlich und unverfälscht ihre Gedanken sind. Sie hinterfragt alles – sich selbst, ihre Gefühle und die Menschen um sie herum – und nichts wirkt wirklich stabil oder gewiss.


Dazai fängt das Gefühl ein, jung und orientierungslos zu sein, jedes noch so kleine Detail zu zerdenken und herausfinden zu wollen, wer man wirklich ist. Ihre Gedanken wechseln rasch zwischen Selbstvertrauen und Unsicherheit, Zuneigung und Gereiztheit, Klarheit und Verwirrung. Ich glaube, dass sich viele Menschen in diesem Buch wiederfinden können, weil es zeigt, wie schnell sich unsere Gedanken verändern können – selbst in den gewöhnlichsten Momenten.
Eine Passage, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, lautet:
„Wir haben eine vage Vorstellung davon, welcher Ort der beste für uns wäre, welche schönen Orte wir gerne sehen würden oder welche Orte uns helfen könnten, als Mensch zu wachsen. Wir sehnen uns nach einem guten Leben. Wir haben echte Hoffnungen und Ambitionen. Wir verlangen ungeduldig nach einem unerschütterlichen Glauben, auf den wir uns verlassen können. Doch es würde erhebliche Anstrengung erfordern, solche Dinge in unserem gewöhnlichen Leben als Mädchen zum Ausdruck zu bringen.“
Beim Lesen musste ich daran denken, wie von Menschen, die im falschen Umfeld leben – insbesondere von Mädchen – ständig erwartet wird, den Maßstäben der Gesellschaft zu entsprechen. Wenn es um Freiheit geht, wünschen sie sich manchmal eigentlich nur, genauso gesehen zu werden wie Jungen: ohne Verurteilung und ohne dass ihnen ihre Stärke genommen wird.
Die Novelle wirkt so persönlich, weil sie nicht versucht, der Erzählerin einfache Antworten zu geben. Ihre Gefühle bleiben unsicher, widersprüchlich und ständig im Wandel, wodurch sie umso glaubwürdiger erscheint. Am Ende bleibt der Leser mit der Frage zurück, ob Gefühle tatsächlich die Realität widerspiegeln oder ob der Verstand seine eigene Version dessen erschafft, was geschieht.
Die vielleicht wichtigste Frage, die das Buch hinterlässt, lautet:
Wie viel von dem, was du fühlst, ist wirklich – und wie viel davon existiert nur in deinem Kopf?