Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad wird im Herbst 2026 neue Memoiren mit dem Titel „I Choose My Beginning“ veröffentlichen.

Das kommende Buch markiert einen Wechsel des Schwerpunkts: weg von vergangenen Traumata und hin zum Wiederaufbau des eigenen Lebens und zur Rückgewinnung der eigenen Identität. Anstatt sich ausschließlich auf die während des Genozids von 2014 am ezidischen Volk im Irak begangenen Gräueltaten zu konzentrieren, beleuchten die Memoiren, wie das Leben danach weitergeht – Heilung, persönliche Entwicklung und das fortwährende Streben nach Gerechtigkeit.

Murads Leben veränderte sich während der Angriffe auf ezidische Gebiete im Jahr 2014 grundlegend, als bewaffnete Kämpfer ihr Dorf angriffen. Mitglieder ihrer Familie wurden getötet, und sie gehörte zu Tausenden ezidischen Frauen, die gefangen genommen und systematischer Gewalt und Versklavung ausgesetzt wurden. Nachdem sie aus der Gefangenschaft entkommen war, wurde sie zu einer weltweit führenden Stimme für Überlebende von Menschenhandel und konfliktbedingter sexueller Gewalt.

Im vergangenen Jahrzehnt spielte sie eine bedeutende Rolle dabei, internationale Aufmerksamkeit auf den Genozid am ezidischen Volk zu lenken. Ihre Arbeit hat zu einer stärkeren Anerkennung der Rechte von Überlebenden, zu Bemühungen um Rechenschaftspflicht sowie zu einer breiteren Debatte über Gerechtigkeit und den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen beigetragen.

Diese neuen Memoiren spiegeln eine andere Phase ihres Lebensweges wider. Sie vermitteln eine Perspektive, die über das bloße Überleben hinausgeht und stattdessen Widerstandskraft sowie die Fähigkeit in den Mittelpunkt stellt, trotz tiefgreifender Verluste eine Zukunft neu aufzubauen. Zugleich ordnet das Buch ihre persönliche Geschichte in einen größeren globalen Zusammenhang ein, in dem Vertreibung, Konflikte und Gewalt gegen Frauen weiterhin Millionen von Menschen betreffen.

Die Veröffentlichung von I Choose My Beginning dürfte auf breite Resonanz stoßen, insbesondere bei Menschen, die die anhaltenden Entwicklungen rund um Gerechtigkeit und Anerkennung für das ezidische Volk verfolgen. Das Buch unterstreicht zudem die Bedeutung eines langfristigen Engagements in der Menschenrechtsarbeit und macht deutlich, dass Veränderungen häufig kontinuierlichen Einsatz über einen längeren Zeitraum erfordern und nicht durch einen einzigen entscheidenden Moment entstehen.

Für viele Leser dürfte das Buch sowohl eine Fortsetzung von Murads öffentlichem Weg als auch einen tieferen Einblick in den persönlichen Prozess bieten, nach einem Genozid weiterzuleben und einen neuen Weg nach vorn zu finden.