Ein internationales wissenschaftliches Projekt, das sich der Bewahrung des fotografischen und kulturellen Erbes der Eziden widmet, weitet seine Arbeit im Rahmen eines Forschungsstipendiums in Deutschland aus.

Nach Angaben der Bibliotheken der University of Victoria hat Nathaniel Brunt, interdisziplinärer Wissenschaftler, Dokumentarfotograf und VPRI Aspiration 2030 Postdoctoral Fellow, einen Forschungsaufenthalt am Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover begonnen. Die als TIB Hannover bekannte Einrichtung wird von der University of Victoria als bedeutendes europäisches Zentrum für Forschung und Infrastruktur im Bereich Open Science beschrieben.

Brunt erhielt das Hannah-Arendt-Stipendium 2026 des Landes Niedersachsen, das von der VolkswagenStiftung finanziert wird. Im Rahmen des Stipendiums erweitert er das SERSAL-Projekt, eine internationale Initiative zur digitalen Bewahrung des fotografischen und kulturellen Erbes des ezidischen Volkes im Irak.

Das Projekt umfasst Feldforschung mit Eziden in Niedersachsen, einem Bundesland mit einer großen ezidischen Diaspora. Darüber hinaus konzentriert es sich auf offene und nachhaltige Softwarelösungen zur Sicherung des kulturellen Erbes nach Konflikten.

Das neue Stipendium knüpft an Brunts umfassendere Arbeit an der University of Victoria an. Im Jahr 2024 berichtete UVic News, dass er das Conflict Aftermath Digital Archive Project entwickelte, dessen Ziel es ist, gefährdetes visuelles Material in Konflikt- und Postkonfliktkontexten zu bewahren. Seine Arbeit mit Eziden umfasst sowohl professionelle visuelle Dokumentation als auch Familienfotografien, mündlich überlieferte Lebensgeschichten, Handyaufnahmen und Videos. Die Bewahrung von Fotografien, mündlichen Überlieferungen und Alltagsdokumenten trägt dazu bei, die Geschichte ezidischer Familien, Dörfer und Traditionen sowie des Sharfadin-Glaubens zu schützen.

Über das SERSAL-Projekt

Das SERSAL-Projekt ist eine internationale, überparteiliche Gemeinschaftsinitiative, die sich der digitalen Bewahrung, Zentralisierung und Zugänglichmachung des fotografischen und kulturellen Erbes des ezidischen Volkes im Irak widmet. Das 2024 gegründete Projekt wurde von einem interdisziplinären Team aus dem Irak, Spanien, den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und Kanada ins Leben gerufen und bringt Wissenschaftler, Designer, Architekten, Journalisten, Forscher, Bibliothekare, Dokumentaristen und ezidische Mitwirkende im Irak zusammen.